Heshthots Geschichte

(In Anlehnung an die Chroniken der Vampire von Anne Rice)  

(Eine fiktive Geschichte, welche von den tatsächlichen historischen Begebenheiten abgesehen, völlig frei von mir erfunden wurde und absolut nichts mit der Realität zu tun hat!!!)

Von mir erdacht und geschrieben für einen sehr alten Freund, der damals solche "Entstehungsgeschichten" gesammelt hat.

Sei gegrüsst, alter Freund! Jetzt endlich kann ich mich Deinem Drängen, Dir endlich die Geschichte meines Lebens zu erzählen, nicht mehr entziehen. Doch beschränke ich mich auf das wesentliche, denn ein ausführlicher Bericht würde die Grenzen Deiner Geduld, sowie meiner Zeit wohl sprengen. Denn die Nacht ist allzu kurz und mein Hunger allzu groß, als daß ich die Nacht durchschreiben könnte. So begnüge Dich vorerst mit dem folgenden Fragment!

 Nun, als Sostratos von Pnides den Leuchtturm von Alexandria auf der Insel Pharos baute, war mein sterblicher Vater einer der Sklaven, welche ihre Kraft und ihr Blut für jenes Unternehmen ließen. Ich selbst war ein Kind von zehn zarten Jahren und ertrug das Leben in Sklaverei nicht. Ja, mehr noch - ich verabscheute meinen Vater, der das Joch geduldig trug. Er war der Auffassung der Messias würde ihn erlösen, wenn er denn käme. Letztendlich erlöste ihn ein Ziegelstein, welcher seinen Schädel zerschmetterte, als ihn ein Arbeiter hoch oben auf dem Turm versehentlich fallen ließ. Ich floh und gelangte auf ein Schiff. Eine lange Reise begann und endete schließlich in Delphi, just ein Jahr nach meiner Flucht. In eben jener Zeit wurde diese Stadt von einer keltischen Armee belagert und schlußendlich geplündert. Mael würde Euch wohl mehr davon erzählen können, denn als Druide müsste er die alten Geschichten jenes keltischen Heeres kennen. Wie ich den alten keltischen Krieger traf, der sich letztlich des kleinen Jungen annahm, wie dieser dem Krieger das Leben rettete und schließlich nach Jahren der Irrfahrten als Mann das Gebiet erreichte, welches die Römer Regiona Germanica nannten ist eine lange, doch nichtsdestotrotz andere Geschichte.

Dort starb mein väterlicher Freund und ich wurde abermals versklavt. Diesmal von dem Stamm der Usipeter, welche an dem großen Strom lebten, an welchem einst das römische Feldlager der Colonia Claudia Ara Augusta Agrippinensis gegründet werden sollte. Doch Rettung nahte mir in Form eines geheimnisvollen Priesters namens Thorag. Er führte mích des Nachts zum Hain des Thunnaraz, später Donar genannt, um diesen mächtigen Asen und dessen Vater Wutanaz, der als Wodan bekannter wurde, um Hilfe zu bitten. Zu spät bemerkte ich, daß es sich nur um einen hinterhältigen Vorwand handelte. Dort unter der gewaltigen Krone des mächtigen Baumes fiel er über mich her, schlug seine gewaltigen Fänge in meinen Hals und raubte mir das Leben. Ich starb, so viel ist sicher, unter Schmerzen. Jene Agonie von der andere unserer Art immer wieder sprechen, verspürte ich nie. Sei's drum, ich erwachte wieder über und über mit Blut bespritzt und neben mir lag der kopflose Körper des Wiedergängers, wie die Usipeter uns nannten.
Wie er starb, wie sein Blut in mich gelangte und woher ich wusste, was ich war (und ich wusste es) habe ich nie erfahren. 

Die folgende Zeit war die grauenhafteste meiner Existenz. Wie ein Tier durchzog ich die Urwälder Germaniens, welches seine Ureinwohner nie so nannten,  nährte mich von wilden Tieren und schlug ab und an arme Bauern.
Zweihundertneunundsiebzig Jahre nachdem meine arme Mutter bei meiner Geburt ums Leben kam, suchte ich nun die Stämme der Usipeter, der Cherusker, der Ubier und viele andere heim und war nicht mehr als ein Tier. Ja in der Tat, recherchierte ich später, daß ich tatsächlich mehr als zweihundertfünfzig Jahre durch diese unermeßlichen Urwälder gestreift bin, bis endlich ein Ereignis es schaffte, meinen Geist wieder an die Oberfläche zu bringen. Der Cherusker Armin ward Herzog der Stämme und einte diese für kurze Zeit. Er schlug die römischen Angreifer Germaniens, zurück und vernichtete Varus' Armee zur Gänze. Ich beobachtete diese Scharmützel, sah die Menschen, roch ihr Blut und erkannte mich selbst tief in mir wieder. Ich folgte Armins Troß, erlebte seinen Aufstieg als auch seinen Untergang, der durch den Markomannenkönig Marbod hervorgerufen, aber nur aufgrund der Zwistigkeiten der Cherusker möglich gewesen war.
Noch immer hielt ich mich von den Sterblichen fern, aber ich kleidete mich wieder wie einer von ihnen. Kleidung fand ich an den Toten der Schlachten genug. Als Germanicus das römische Heer an den Rhein zurückführte weilte ich in Colonia, heute Köln genannt. Dort wandelte ich lange Zeit unter den Sterblichen ohne auch nur einen unserer Art zu Gesicht zu bekommen.

Schließlich ging ich wieder in die Wälder und unter die Erde, wo ich lange Zeit blieb. Als ich (und fast hätte ich es nicht vollbracht) dann wieder an die Oberfläche kam, hatte Otto I. schon lange das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gegründet und es an seinen Sohn Otto II. weitergegeben. Als der deutsche König Heinrich II zum Kaiser gewählt wurde, weilte ich immer noch in der Gegend von Köln, hatte ich doch schon seit langem bemerkt, daß es für unsereinen leichter ist, unter vielen zu jagen. Viel geschah danach.

Wilhelm der Eroberer unterwarf England, im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation wechselten die Kaiser und als die Reihe an Friedrich I, welchem die Geschichte den Namen Barbarossa geben sollte gekrönt wurde, ging ich wieder in die Erde und ruhte. Als ich wieder am Leben teilzunehmen begann, wütete die Pest in Europa und ich sah Leiden und Qualen, die den meinen aus früheren Zeiten fast gleichten. Arme Sterbliche, was mußtet ihr leiden zu jenen Zeiten. Nun weiter wechselten die Kaiser und Könige, weiter wandelte ich zwischen den Sterblichen umher und lernte sie kennen, schloß sogar Freundschaften, sah meine Freunde sterben und verzweifelte jedes Mal wieder daran. Doch schuf ich keine Nachkommen. Niemand sollte diesem Fluch anheim fallen. Niemand.

Irgendwann gab es dann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation nicht mehr, doch gab es immer noch Kriege. Und trotz all der Toten, welche diese sinnlosen Schlachten forderten vermehrten sich die Sterblichen mehr und mehr. Und in dieser ganzen Zeit, begegnete mir nie ein anderer Vampir. Erst fast zweitausend Jahre nach der Vergewaltigung meiner Sterblichkeit, in Rußland wurde gerade Katharina II, die Große, Herrscherin, traf ich während einer Reise auf Armand und ich beobachtete ihn. Oh, ich war mächtig genug, daß er mich nicht entdeckte. Verzückt lernte ich, seinen Geist zu lesen und dennoch konnte ich den meinen für ihn verschließen. Was dort im Frankreich zu Zeiten vor und nach der Revolution geschah brauche ich Euch, werther Freund nicht erzählen, Ihr kennt es bereits, entweder aus eigener Erfahrung oder durch die Chroniken, jenes alten Bluttrinkers. Ich verließ diese glitzernde Stadt dann, weil ich es nicht länger ertragen konnte, meinem Armand, den ich mittlerweile so gut kannte, ohne daß er von meiner Existenz auch nur etwas geahnt hätte, Nacht für Nacht unbemerkt zur Seite zu stehen, ohne meinen mir geleisteten Schwur zu brechen, niemals Kontakte zu Wesen meiner Art aufzunehmen.

 (Ihr seht ,wie es um diesen Schwur steht)

So kehrte ich wieder nach Köln zurück, um letztendlich das Land derer von Berg, heute das Bergische Land genannt, für mich zu entdecken, gab es dort doch immer noch jene Wälder durch die ich Jahrhunderte gewandelt war. In der Nähe eines Dorfes ging ich wieder in die Erde und schlief, bis ich endlich im Jahre 1965 n.Chr. meinen Schlaf beendete. Das Dörfchen war nun eine Stadt namens Lüdenscheid und lag idyllisch umgeben von Wald am Rande des Bergischen Landes. Seitdem durchstreife ich diese Gegend seit nunmehr fast 35 Jahren. Es verschlug mich in das Städtchen Radevormwald und anschließend landete ich in jener alten Klingenstadt Solingen, wo ich dann auch endlich die Erlösung der Liebe fand.

Donna Alice Uomo della Notte, meine Gemahlin, verhalf mir dazu, viel von meiner ehemaligen Menschlichkeit und vor allem die Gefühle, wieder zu finden. Sie macht mir die Ewigkeit erträglich und wurde zum Sinn meiner Unsterblichkeit!  

Leider war sie ein Mensch und konnte auf Dauer nicht mit einem Vampir zusammen leben. So trennten sich nach einigen Jahren unsere Wege wieder. Und erneut erwiesen mir die Götter - oder war es einfach nur das Schicksal? - ihre Gunst. Ich lernte die wunderbare Ayesha kennen und lieben. Ein Vampir wie wir. Schön und von bezauberndem Wesen. So wechselte ich erneut mein Domizil und lebe nun im Tal der Wupper, wo ich mit Ayesha endlich das Glück gefunden habe.

  So, nun kennst Du sie, meine Geschichte. Behalte sie bitte für Dich, niemanden anderen geht sie etwas an. Ich vertraue Dir!

Sempre viva

Auf ewig der Deine

Heshthot